WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht
Erinnern an NS-Zwangsarbeit im Industriekomplex Böhlen-Espenhain
Im Industriekomplex Böhlen-Espenhain wurden in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus mindestens 13 Ländern eingesetzt, um Treibstoffe für den deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg zu produzieren. Die Menschen arbeiteten zwischen 1939 und 1945 im nahegelegenen Braunkohlen- und Benzinwerk der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) und der Braunkohlen-Benzin AG (Brabag). Verschiedene Menschen mussten in Böhlen Zwangsarbeit leisten: dienstverpflichtete Deutsche, Justizgefangene, zivile ausländische Arbeitskräfte sowie Arbeitserziehungs- und KZ-Häftlinge. In den Lagern Pulgar und Zeschwitz wurden sogar Bordelle eingerichtet, in denen Frauen zur Prostitution gezwungen wurden. Zwischen 321 und 448 Personen überlebten die Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Kriegshandlungen nicht. Heute erinnert wenig an ihr Schicksal.
Eine Initiative aus dem Verein GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP – Studio for Aural Arts arbeitet nun daran, diese Lücke zu schließen. In ihrem Projekt „WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht“ ist eine audiovisuelle Ausstellung entstanden, die ab 26. August 2026 auf dem Platz des Friedens in Böhlen zu sehen ist und informativ wie künstlerisch auf dieses Kapitel der regionalen Geschichte aufmerksam macht. Beteiligte aus Wissenschaft, der Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig und der Gedenkstätte Buchenwald, Künstlerinnen und Jugendliche aus mehreren Schulklassen wirkten an den Inhalten der Ausstellung mit. Neue Rechercheergebnisse, die Rahmen der Ausstellung entstanden sind, finden Sie auf der Seite von MEMORAILS.
Die Ausstellung kann jederzeit und kostenfrei auf dem Platz des Friedens besucht werden. Die Audiostücke können über QR-Codes mit einem eigenen Smartphone angehört werden. Alle Inhalte und Audiostücke sind außerdem online unter www.waswarwasist.de zu finden.
Am 12. Juni 2026 wurde am Bahnhof Böhlen gemeinsam mit der Stiftung EVZ ein Gedenkzeichen im Rahmen des bundesweiten Programms MEMORAILS enthüllt.
Aufruf zur Beteiligung
Lokales Wissen sollte in Forschung und Ausstellung einfließen. GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP haben dafür nach persönlichen Geschichten, Erinnerungsstücken und Zeitzeugnissen von Bürgerinnen und Bürgern aus der Region gesucht und Gespräche mit Zeitzeuginnen geführt.
Fotografie der Ankunft polnischer Kriegsgefangener im Oktober 1939 am Bahnhof Böhlen © Andreas Bock.
Latrinen/Abortanlage: Rassismus findet sich oft im Detail, wie diese nach Nationen getrennten Toiletten im Lager Pulgar, 1943 © Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20633 Brabag Böhlen, Nr. 132.
„WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht“ ist ein Projekt von GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP in Kooperation mit DOKMitt e.V., der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig und der Stadt Böhlen.
Das Projekt wird von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert sowie von Land in Sicht e.V.
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